Home » Malta

Malta

Über den Tellerrand surfen

Was verbindet ein Tourist mit der Insel Malta? Wahrscheinlich Sommer, Sonne und eine rauschende Party am Strand. Und was verbindet ein Lehrer mit einer Weiterbildung? Hochgestellte Stühle und Neonlicht? In jedem Fall zu starken Kaffee! Oder sollte die Frage eher lauten, was eine Weiterbildung mit Urlaub zu tun hat?

Mein erster Gedanke war jedenfalls nicht Entspannung, als ich mich für die Teilnahme an der zweiwöchigen Weiterbildung auf Malta entschied, obwohl der Gedanke angesichts der südlich des 37. Breitengrades im Mittelmeer liegenden Insel nahe lag. Zum einen wollte ich mein Englisch auffrischen, nur einmal nicht im Kino oder über Lektüre. Zum anderen zählt die Medienstatistik Leute wie mich zu den „digital immigrants“, also jenen Steinzeitmenschen, die vor Urzeiten über Kassetten und Floppy Disks medial laufen lernten und von dem virtuellen Universum da draußen nur eine vage Vorstellung haben. Anders also als meine Schülerinnen und Schüler, den „digital natives“, die, gerade erst geschlüpft, das Internet mit der Muttermilch aufnahmen. Bei Online-Aktivitäten nicht mehr nachsichtig belächelt zu werden, während man coram publico durch den Mediendschungel des Berufsalltags stolpert, erschien mir überaus attraktiv!

Es war daher geradezu erfreulich, dass diesmal kein Englischkurs für Englischlehrer auf dem Programm stand, sondern das auf Lehrkräfte zugeschnittene IT-Modul „Technology Enhanced Learning.“ Während ich durchs Netz surfte, würde ich ganz nebenbei über das Kursgespräch mein Englisch aufpolieren und mir neue Wort- und Themenfelder erschließen. Medienbildung wird in Brandenburg zur Stunde fächerübergreifend im Lehrplan verankert, womit sich für mich das Erasmus-Plus-Programm als ideale Einführung in die Möglichkeiten der Mediennutzung im Klassenzimmer erwies.

Was eine Fortbildung von einem Urlaub unterscheidet, konnte ich am Ende der zwei Wochen jedenfalls nicht mehr genau sagen. Was eine gute von einer schlechten Weiterbildung unterscheidet, dagegen sehr genau, egal wie der Kaffee schmeckt. Eine gute Fortbildung zeichnet sich aus durch ihre reibungslose Organisation, durch professionelle Referenten, eine homogene Kursstruktur sowie ein hohes Lernniveau.
Und tatsächlich entpuppte sich der IT-Kurs als Tour de Force durch das World Wide Web: Douglas McKennit, ein lustiger und liebevoll-strenger junger Schotte aus dem Vereinigten Königreich mit einer Vorliebe für Pünktlichkeit und gutem Musikgeschmack*, jagte die internationale Truppe täglich in neue Gewässer.
Montags: Eigenständige Produktion von Storybirds, Wikis und Digital Comics. Dienstags: Webquests, Quizzes und Word Clouds. Mittwochs: Puzzles, Quandaries, Animations. Donnerstags: Der eigene Blog. Am Freitag schien der Gedanke, eine komplette Webseite zu gestalten, nicht einmal ansatzweise so verrückt wie zu Kursbeginn. Für jemanden, der URL bislang für einen Paketdienst hielt, war das straffe Programm eine echte Herausforderung. Durch die individuelle Betreuung McKennits, durch vorbereitende Hausaufgaben und die Möglichkeit, mit Projektpartnern zu arbeiten, war das Pensum jedoch zu schaffen.

Und dennoch denke ich, dass es auch einen Unterschied macht, ob der Kaffee schmeckt oder nicht. Malta hat dafür jedenfalls den Beweis erbracht. Denn dass es in dem kleinen Café Cordina im Herzen Valettas einen hervorragenden Macchiato gab, dass der Strand fußläufig lag, dass am Nachmittag genügend Zeit für Sonne, Strand und ein Bad im Meer blieb, dass Zeit war für das unglaublich beeindruckende Caravaggio-Gemälde „Die Enthauptung Johannes des Täufers“ in St. Pauls, für die Geschichte der Insel, auch für gute Gespräche, für nächtliche Feuerwerke und nicht zuletzt für stille Minuten in der kleinen, versteckten Inselkirche, hat eindrücklich gezeigt, dass eine gute Weiterbildung, gerade für Lehrerinnen und Lehrer über Theorie und Praxis hinausgeht: Sich weiterzubilden heißt im Idealfall auch, inspiriert zu sein, sich lebendig zu fühlen und über den Tellerrand zu schauen. Wie sonst können wir unseren Schülerinnen und Schülern die Lust an der Sprache, an Literatur, ja, auch die Lust am Leben vermitteln, wenn wir sie nicht selbst verspüren?

Verena Lakotta

Erasmus auf Malta - eine faszinierende Erfahrung

Englisch lernen auf Malta mit dem internationalen Erasmusprojekt ist eine Weiterbildung der besonderen Art. Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen? Das ist schnell gesagt: Vierzehn Tage Zeit, die zumeist in den Schulferien liegt, Den Willen, wieder als Schüler auf einer Schulbank zu sitzen, Die Freude am Lernen in einer unbekannten Umgebung, Die Faszination, ein fremdes Land kennen zu lernen in all seinen Facetten Enthusiasmus, anderen seine Erlebnisse und Erkenntnisse mitzuteilen, um so als Multiplikator tätig zu werden. All das brachte ich mit. Und so verschlug es mich für zwei Wochen, in den heißesten, die diese Insel in den letzten Jahren erlebt hat, nach Malta. Sofort entstand eine eigenartige Verbindung zu dieser kleinen und doch strategisch so wichtigen Insel im Mittelmeer. Von weitem hatte man das Bild einer hellgraubraunen Masse. Je näher man kam, umso detaillierter, interessanter und architektonisch faszinierender wurde die Insel. Die Vielfalt an Einflüsse, die man überall spürte, verbunden mit der ungeheuren Gastfreundschaft ließen diese zwei Wochen zu einem ganz besonderen Erlebnis werden. Meine Hauptaufgabe, das Weiterentwickeln und festigen meiner Sprachkenntnisse wurde so gekonnt in ein Programm zum Kennenlernen der Insel, ihrer Jahrtausend alten Geschichte und auch ihrer Traditionen eingebettet, dass die Zeit wie im Fluge verging. Und die Ergebnisse aus den zwei Wochen können sich durchaus sehen lassen. Eine Studienfahrt nach England mit Schülern unserer Schule wurde so auch für mich zu einem vollen Erfolg auch weil ich die Menschen sehr gut verstand und mich solide mitteilen konnte. Doch auch meine pädagogische Arbeit wurde sehr positiv durch die Tipps und Informationen zur Digitalisierung des Unterrichts beeinflusst. Ich kann sie jedem empfehlen, auch oder gerade wenn das Englisch nicht so sattelfest ist, wie man es sich selbst wünscht. Herzlichen Dank!

Ria Nolte