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Die Welle 2017- DS 11/1 spielte „Soulsearch 4.0“

  Es ist eine äußerst gefährliche „Welle“, die uns zu unterspülen, wenn nicht sogar umzureißen droht: Fake-News, Cyber-Kriminalität, Hacker-Angriffe und die Übermacht der sogenannten „Sozialen“ Medien nehmen eher zu als ab. Soulsearch 4.0“ sei als “Werkstatt“ zu verstehen, so das Credo der Protagonisten, noch dazu unter extremen Zeitdruck entstanden, mit viel zu wenig Proben. Und die Erstaufführung am Vorabend sei deutlich spritziger gewesen, so eine Zuschauerin. Dennoch kann sich das Ergebnis auch am Abend des 13. Mai 2017 sehen lassen. Dramatisiert wurde das äußerst brisante Buch „The Circle“ (2013) des nordamerikanischen Schriftstellers Dave Eggers (*1970). In diesem epischen Konvolut stecken gewaltiger gesellschaftlicher Sprengstoff, digitales TNT und hochansteckende, weil leicht übertragbare zwischenmenschliche „Viren“. Wir leben in einem digitalen Zeitalter. Was wir ins Internet stellen, stellen wir allen zur Verfügung. Wir sind nicht mehr ich, wir sind wir, ohne Anspruch auf Individualität und ohne Rückzugmöglichkeit ins Private. Alles ist öffentlich. „Etwas zu wissen ist gut. Alles zu wissen ist besser.“ – „Geheimnisse sind Lügen“. Man muss es Hans-Albrecht Weber und seinen Eleven zugestehen – sie haben ein gutes Gefühl für gesellschaftlichen Zündstoff und beweisen theatralisches Geschick, diese Problemfülle auf die Bühne zu bringen. Alles kommt äußerst konzentriert daher (Spieldauer: 60 Minuten) und ist nicht nur spielerisch, sondern auch medial voller Überraschungen und Professionalität. So hat der „Operator“ (Dominik Geier) alle Hände voll zu tun. Bei ihm laufen alle Überwachungsfäden (und die Bedienung der beiden Beamer) zusammen. Er steht zwar im Halbschatten der Bühne, ist aber immer „im Bild“. Nomen est omen. Als sehr wirkungsvoll erwiesen sich auch die verwendeten Videoeinspielungen, egal ob als „Pro-“ oder „Post-Produktion“ eingesetzt (Friederike Dietrich, Felix Hertneck). Und man bekommt auch als Zuschauer regelrecht Angst, in die Fänge des „Circles“ zu geraten, einer fiktiven, fast übermächtig zu nennenden Organisation, die, hierarchisch strukturiert, die totale Überwachung der Firmenmitarbeiter und deren Unterordnung durchsetzt. Das Firmen-Logo, ein dickes, fettes „C“, ist auch auf Bühne, Bildschirmen und als Body-Button omnipräsent. Auch auf der Titelseite des gut gestalteten Programmfaltblattes ist dieses „C“ zu finden, hier aber, welch genialer Einfall, in Form eines Irrgartens (griech: Labyrinth). Einzige Einschränkung: Die Gefährlichkeit dieser „Welle“ kam insgesamt zu nett, zu sympathisch daher. Die Boshaftigkeit und Seelenlosigkeit dieses Systems war am besten noch in der Figurenzeichnung des Eamon Bailey zu spüren (sehr überzeugend: Wenzel Hebold). Kälte, Grausamkeit und Falschheit sind sicherlich schwer spielbar, aber sie sind unabdingbar, sonst bleibt die „Welle“ zu harmlos. Text und Fotos: Andreas Flämig

Helmuth Caspar Graf von Moltke beim 73. Hermannswerderaner Abend

„So bin ich noch nie befragt worden!“ Helmuth Caspar Graf von Moltke am 7. April 2017 auf Hermannswerder.  Moltke? Moltke? Ist das der von der Berliner Siegessäule? Nein, nein, nicht um den legendären preußischen Generalfeldmarschall (1800-1891), sondern um seinen Ururgroßneffen geht es an diesem Abend: Helmuth Caspar Graf von Moltke. Er setzt sich in der Aula des Ev. Gymnasiums Hermannswerder, in einen Kreis mit wenigstens 150 besetzten Stühlen. Darauf sitzen Altvordere, Wissende, weniger Wissende und jede Menge Schüler*innen. Die schauen allesamt kritisch und aufmerksam zugleich in dessen Zentrum. Denn da sitzt der 79- jährige Sohn des legendären Ehepaares Helmuth James und Freya von Moltke, wortgewandt und bescheiden zugleich: „Ich bin kein Widerständler gewesen, dazu war ich damals zu jung. Was ich heute über den ‚Kreisauer Kreis‘ weiß, habe ich mir angelesen und über viele Jahre recherchiert. Und, das weiß ich heute, ich bin sehr, sehr stolz auf meine Eltern!“ Zwölf endlos lange Jahre, von 1933 bis 1945, hat das gesamte deutsche Volk völkisch gejubelt und „Sieg heil!“ gerufen, überzeugt vom „Endsieg“. Mit Ausnahme einer kleinen Minderheit, die Widerstand geleistet hat, todesmutigen Widerstand. Die Namen dieser Helden sind bekannt, u. a. Sophie und Hans Scholl, Claus Schenk Graf v. Stauffenberg, Henning v. Treskow, „Die rote Kapelle“, um nur einige Namen zu nennen. 
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Heitere Gelassenheit am ungewöhnlichen 72. Hermannswerderaner Abend

Lieder von und mit der Band „Unbekannt verzogen“ am 9.3.2017

Schon ab 16.00 Uhr bahnte sich der Auftritt der fünfköpfigen Band an. Drei Autos gaben, vergleichbar der Tasche von Mary Poppins,  einen schier unerschöpflichen Vorrat an Instrumenten heraus: Von Rassel, Mundharmonika, diversen Gitarren, e-piano, Akkordeon bis zum Schlagzeug und Technik (Band eben!) musste alles zur Aula hochgetragen werden – noch gibt es keinen Fahrstuhl in der Schule.
Nach Aufbau und Einspielprobe war es dann soweit. Kurz nach 19.00 Uhr öffneten sich die Aulatüren für das gespannte Publikum, begrüßt von einem „tapferen Soldaten“ mit Käppi und rotem (Schul-)Ranzen und dem Gastmitglied der Band.
Im ersten Teil des Abends trug die Band das Märchen „Das blaue Licht“ von Hans Christian Andersen vor. Die Protagonisten des Märchens, dargestellt von der Sängerin Patricia Heidrich und dem Gitarristen Hannes Funke, wurden dem Publikum vorgestellt, das mit Erzähltexten und Liedern des Leadgitarristen durch das Märchen geführt wurde. Unterstützt durch einfaches Kostüm und Accessoires marschiert der Soldat durch das (Bühnen-) Land, trifft auf die alte Frau/Hexe, findet erst einen Goldschatz und dann seine große, zunächst hoffnungslos erscheinende Liebe, die sich im großen Finale dann doch erfüllt. Ein immer wieder schönes Märchen, engagiert vorgetragen, vertieft durch die melodiösen, teilweise mehrstimmig vorgetragenen Lieder.
Hier hätte ich mir unsere 5. und 6. Klasse im Publikum gewünscht, die ja selbst in ihren Projekten Musiktheater auf die Bühne bringen und den Stoff fraglos geschätzt hätten. Platz wäre in der Aula noch ausreichend gewesen – vielleicht der Wermutstropfen des Abends.
Nach einer großzügigen Pause („15 Minuten – ohne Uhrenvergleich“) ging es dann mit den angekündigten Liedern zu Texten von Else Lasker-Schüler weiter. Fünf Lieder zu ihren Gedichten, vertont wieder von Hannes Funke, hörbar aus derselben Feder. Den Abschluss des Abends bildete einer Auswahl von Liedern der Band, ausdrücklich Gemeinschaftsproduktionen und eine schöne Ergänzung zum bisher Dargebotenen, die das Publikum noch einmal in die Welt der Poesie, der Liebe und Emotionen mitnahmen. Gegen 21.30 Uhr war der Bogen gespannt: Ein Song mit Märchenmotiv beendete den unterhaltsamen Abend, der von der ersten bis zur letzten Minute von den gut gelaunten Bandmitgliedern und dem von ihrer heiteren Gelassenheit angesteckten Publikum getragen war. Vielen Dank für diesen in vielfacher Hinsicht ungewöhnlichen Hermannswerderaner Abend!

Text. Bettina Grothe