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Exkursionen

 

Deutschkurse in Weimar

„Egal, was die Frage ist - Goethe ist die Antwort! - und wenn nicht, Schiller sollte auch passen.“ Diese Erkenntnis begleitete uns bis zum Ende unserer zweitägigen Exkursion in die Klassik- und Kulturhauptstadt Weimar. Die Deutschkurse besichtigten die Wohnhäuser Goethe und Schillers sowie die Anna Amalia Bibliothek und bekamen eine Führung durch das Goethe-Nationalmuseum. Zudem besuchten wir  die Theateraufführung  „Bombenstimmung“ im Deutschen Nationaltheater.

Der erste Programmpunkt war eine Führung durch das Wohnhaus Schillers. Diese bot uns einen Einblick in seine ganz privaten Schreib-, Schlaf-und Empfangszimmer. Dort schrieb er einige seiner bekanntesten Werke, zum Beispiel "Die Braut von Messina" und „Wilhelm Tell“. Nach einiger freier Zeit, die uns eine erste Orientierung in der Stadt ermöglichte, traf sich unser gesamter Jahrgang vor dem Deutschen Nationalmuseum, um die Aufführung: „Bombenstimmung“ anzusehen. In seiner neuen Komödie von Jan Neumann geht er der Frage nach, wie viel Terrorist in jedem von uns ist und wie im Zeitalter des Postfaktischen eine Lügenpresse überhaupt lügen kann.
Am zweiten Tag erwartete uns ein Programm rund um Goethe, mit Audioguides ausgestattet, fanden wir unseren Weg durch die vielen Räume seines Wohnhauses am Frauenplan. Auch konnten wir einen Einblick in seine ganz privaten Räume gewinnen wie sein Schreibzimmer, in dem er viele Stunden mit seinem Schreiber John verbrachte. Besonders beeindruckend war, dass hier alle Gegenstände im Raum dort zu sehen waren, wo sie zu Zeiten Goethes ihren Platz hatten.
Anschließend erwartete uns eine Führung durch das Goethe Nationalmuseum, in dem die Vielschichtigkeit von Goethes Wirken über das rein literarische Schaffen hinaus verdeutlicht wird. So erfuhren wir mehr über die vielen Facetten Goethes, so spricht man nicht nur vom dichtenden Goethe sondern auch vom reisenden, zeichnenden, lümmelnden und wissenschaftlichen Goethe. Seine Reisewege und Auslandsaufenthalte erschlossen wir uns anhand einer beeindruckenden Karte, die  stark verdeutlichte, wie viel mehr Goethe durch Europa reiste als Schiller, der Deutschland niemals verließ. Sein Leben lang nahm Goethe Zeichenunterricht, besonders stark setzte er sich hierbei mit der Farbenlehre auseinander. Aber auch sein Interesse für die Wissenschaft lebte er sehr stark aus, insgesamt sammelte er über 18.000 Mineralien. Der Dichter war extrem vielseitig begabt und ein ernst zu nehmender Wissenschaftler, der sich u.a. mit der Morphologie von Pflanzen beschäftigte. Er hat mehrere wissenschaftlich-botanische Abhandlungen geschrieben. Zudem entdeckte er ein ungewöhnliches Malvengewächs auf seiner Brasilienreise, welches anschließend nach ihm benannt wurde, Goethea cauliflora.  Zudem wurden im Museum auch private Gegenstände Goethes ausgestellt wie seine Hosenträger oder sein Reisemantel.

Der Besuch der Herzogin Anna Amalia Bibliothek bildete den goldenen Abschluss unserer Exkursion. Herzogin Anna Amalia hatte sich mit allen Mitteln dafür eingesetzt, Weimar zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln. Eine Million Bände standen in den Regalen der Bibliothek mit ihrem weltberühmten Rokokosaal, darunter mit 13.000  Bänden die größte Faust-Sammlung der Welt.  2004  war im Dach der Bibliothek ein Brand ausgebrochen, der verheerende Folgen hatte, ein Teil des wertvollen Bestandes war stark beschädigt oder zerstört. Bereits einen Monat nach dem Brand, zeichnete sich ab, dass die geborgenen Bücher zwar schwer beschädigt waren, aber nach wie vor individuelle Merkmale besaßen, die sie unersetzbar machten: Informationen zu ihrer Herkunft und zu Material, Technik und Produktion der Einbände. Die Restauration der wertvollen Bücher ist bis heute noch nicht abgeschlossen.

Text: Frieda Fischer

Von der Dynamik der Sprache

„Und irgendwas anderes wollten wir noch erzählen- wollte ich noch erzählen.“ 

Dozentin, Dr. Maxi Kupetz beschäftigt sich an der Uni  Potsdam nicht nur mit Kommunikations- und Konversationsanalyse, sondern auch mit angewandter Gesprächsforschung und diversen weiteren kommunikativen Verfahren. Heute weiht sie uns, den Deutschkurs 11 von A. Wallraff, in einige Aspekte der Konversationsanalyse ein. Dabei geht es um die Analyse ganz alltäglicher Gespräche - in diesem Fall eines Gesprächs zwischen Sandra und Emma. Die beiden jungen Frauen hatten sich vor einiger Zeit bereit erklärt, ein Gespräch aufnehmen und dann von Studenten analysieren zu lassen. Wir sehen uns das Video an und bekommen daraufhin ein Konversationstranskript, eine Abschrift des Gesprächs. An dem Punkt wird es spannend: Mal Schwarz auf Weiß zu sehen, wie so ein Alltagsgespräch mit allen seinen kleinen Versprechern und Stotterern abläuft, ist tatsächlich interessanter, als man denkt. Denn Konversationsanalytiker interessiert es - im Gegensatz zu Kommunikationsanalytikern - nicht im Geringsten, Probleme bezüglich der Kommunikation zu finden, um den Gesprächspartnern zu einer harmonischeren Kommunikation zu verhelfen. Viel spannender finden sie es, zu schauen, wie kommuniziert wird und wie diese Kommunikation organisiert ist. Wie wird deutlich gemacht, dass Sandra mit ihrem Redebeitrag fertig ist und Emma ihren Part dazugeben darf? Wie vermittelt Emma während Sandras Geschichte den Eindruck, dass sie ihr zuhört und interessiert ist? Auch die Untersuchung anderer sprachlicher Phänomene, wie beispielsweise Füllwörter „äh“ oder „ehm“ fallen in den Aufgabenbereich eines Konversationsanalytikers.
Die Situation in dem Gespräch zwischen den beiden Mädchen ist etwa diese: Sandra will eigentlich eine Geschichte von Bill erzählen, schweift dann aber ab und erzählt eine völlig andere Story. Das passiert uns allen häufiger: Eigentlich wollen wir etwas Bestimmtes erzählen, aber unser Gesprächspartner springt auf einen anderen Aspekt des Gesagten an und geht darauf genauer ein. Wir antworten ihm und am Ende des Gesprächs wissen wir gar nicht mehr, wo wir angefangen haben und was wir eigentlich sagen wollten. Alles ein Fall für den Konversationsanalytiker. Zwei Stunden lang analysieren wir das Gespräch, entdecken neue Sprachphänomene und lernen teilweise sogar etwas über die Beziehung zwischen Sandra und Emma - alles anhand eines Videos und des dazugehörigen Transkripts. Letztlich war der Abend doch interessanter als erwartet: Jedes Jahr aufs Neue hört man im Deutschunterricht von Kommunikationsmodellen wie Schulz von Thun, seinen vier Ohren und den vier Schnäbeln. Aber neben diesen Kommunikationsmodellen mal echte Konversation zu analysieren, ist definitiv interessanter. 

Text: Felix Hertneck

Zeitzeugengespräche DDR/BRD

Was bedeutete es, Oppositioneller zu sein?

Der Geschichtsleistungskurs 12 im Gespräch mit Zeitzeugen

Im Rahmen des Semesterthemas Opposition in BRD/ DDR 1949-89 machte sich der Geschichtsleistungskurs 12 unter Leitung von E. von Schütz auf, um mit Hilfe von Zeitzeugen noch mehr über die Zeit zu erfahren und tiefer in das Thema einzudringen. In Potsdam-West fand das erste Gespräch statt. Jürgen Rassbach erzählte von Begegnungen mit der Stasi und berichtete von Bekannten, die sich stark in oppositionellen Vereinen einsetzten. Eine Opposition ist eine Alternative zur Regierung. Wie gegensätzlich deren  Ziele und Vorstellungen sind, ist unterschiedlich. Oppositioneller zu sein oder als solcher angesehen zu werden, ist etwas anderes. Das eine wird aktiv vollzogen, während das andere eher ungewollt und passiv verursacht wird. Herr Rassbach erlebte letzteres. "Wenn man einmal unter Beobachtung stand, kam man da nicht mehr so schnell weg. Alles, was man sagte, konnte mitgezeichnet worden sein. Aus diesem Verdacht musste man dann auch erst einmal wieder 'rauskommen. Nicht einfach...", so Jürgen Rassbach.

Ein spannendes und umfangreiches Thema!  Interessiert fragten die Schüler*innen nach und kamen so mehr und mehr in ein Gespräch über die Zeit.  Leider musste der Kurs die Unterhaltung dann beenden, um sich mit dem zweiten Zeitzeugen, Herrn Kreipe, in Berlin- Zehlendorf zu treffen. Dieser berichtete von seiner Studentenzeit und seiner aktiven Beteiligung in einer oppositionellen Partei. Er schwelgte in Erinnerungen, sah manche Aktionen jedoch aus heutiger Sicht eher als kritisch an. Auch hier kam man über aktuelle politische Themen in Deutschland ins Gespräch. Der Kurs ging mit einem besseren und detaillierteren Einblick in die Zeit und in den Begriff Oppositon aus dem Tag. Ein gelungener STT!

Text: Stina Sachse