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Exkursionen

 

Von der Dynamik der Sprache

„Und irgendwas anderes wollten wer noch erzählen; wollte ich noch erzählen.“ 

Dozentin, Dr. Maxi Kupetz beschäftigt sich an der Uni  Potsdam nicht nur mit Kommunikations- und Konversationsanalyse, sondern auch mit angewandter Gesprächsforschung und diversen weiteren kommunikativen Verfahren. Heute weiht sie uns in, den Deutschkurs 11 von A. Wallraff in einige Aspekte der Konversationsanalyse ein. Dabei geht es um die Analyse ganz alltäglicher Gespräche - in diesem Fall eines Gesprächs zwischen Sandra und Emma. Die beiden jungen Frauen hatten sich von einiger Zeit bereit erklärt, ein Gespräch aufnehmen und dann von Studenten analysieren zu lassen. Wir sehen uns das Video an und bekommen daraufhin ein Konversationstranskript, eine Abschrift des Gesprächs. An dem Punkt wird es spannend: Mal Schwarz auf Weiß zu sehen, wie so ein Alltagsgespräch mit alle seinen kleinen Versprechern und Stotterern abläuft, ist tatsächlich interessanter, als man denkt. Denn Konversationsanalytiker interessiert es - im Gegensatz zu Kommunikationsanalytikern - nicht im Geringsten, Probleme bezüglich der Kommunikation zu finden, um den Gesprächspartnern zu einer harmonischeren Kommunikation zu verhelfen. Viel spannender finden sie es, zu schauen, wie kommuniziert wird und wie diese Kommunikation organisiert ist. Wie wird deutlich gemacht, dass Sandra mit ihrem Redebeitrag fertig ist und Emma ihren Part dazugeben darf? Wie vermittelt Emma während Sandras Geschichte den Eindruck, dass sie ihr zuhört und interessiert ist? Auch die Untersuchung anderer sprachlicher Phänomene, wie beispielsweise Füllwörter „äh“ oder „ehm“ fallen in den Aufgabenbereich eines Konversationsanalytikers.
Die Situation in dem Gespräch zwischen den beiden Mädchen ist etwa diese: Sandra will eigentlich eine Geschichte von Bill erzählen, schweift dann aber ab und erzählt eine völlig andere Story. Das passiert uns allen häufiger: Eigentlich wollen wir etwas Bestimmtes erzählen, aber unser Gesprächspartner springt auf einen anderen Aspekt des Gesagten an und geht darauf genauer ein. Wir antworten ihm und am Ende des Gesprächs wissen wir gar nicht mehr, wo wir angefangen haben und was wir eigentlich sagen wollten. Alles ein Fall für den Konversationsanalytiker. Zwei Stunden lang analysieren wir das Gespräch, entdecken neue Sprachphänomene und lernen teilweise sogar etwas über die Beziehung zwischen Sandra und Emma - alles anhand eines Videos und des dazugehörigen Transkripts. Letztlich war der Abend doch interessanter als erwartet: Jedes Jahr aufs Neue hört man im Deutschunterricht von Kommunikationsmodellen wie Schulz von Thun, seinen vier Ohren und den vier Schnäbeln. Aber neben diesen Kommunikationsmodellen mal echte Konversation zu analysieren, ist definitiv interessanter. 

Text: Felix Hertneck

Zeitzeugengespräche DDR/BRD

Was bedeutete es, Oppositioneller zu sein?

Der Geschichtsleistungskurs 12 im Gespräch mit Zeitzeugen

Im Rahmen des Semesterthemas Opposition in BRD/ DDR 1949-89 machte sich der Geschichtsleistungskurs 12 unter Leitung von E. von Schütz auf, um mit Hilfe von Zeitzeugen noch mehr über die Zeit zu erfahren und tiefer in das Thema einzudringen. In Potsdam-West fand das erste Gespräch statt. Jürgen Rassbach erzählte von Begegnungen mit der Stasi und berichtete von Bekannten, die sich stark in oppositionellen Vereinen einsetzten. Eine Opposition ist eine Alternative zur Regierung. Wie gegensätzlich deren  Ziele und Vorstellungen sind, ist unterschiedlich. Oppositioneller zu sein oder als solcher angesehen zu werden, ist etwas anderes. Das eine wird aktiv vollzogen, während das andere eher ungewollt und passiv verursacht wird. Herr Rassbach erlebte letzteres. "Wenn man einmal unter Beobachtung stand, kam man da nicht mehr so schnell weg. Alles, was man sagte, konnte mitgezeichnet worden sein. Aus diesem Verdacht musste man dann auch erst einmal wieder 'rauskommen. Nicht einfach...", so Jürgen Rassbach.

Ein spannendes und umfangreiches Thema!  Interessiert fragten die Schüler*innen nach und kamen so mehr und mehr in ein Gespräch über die Zeit.  Leider musste der Kurs die Unterhaltung dann beenden, um sich mit dem zweiten Zeitzeugen, Herrn Kreipe, in Berlin- Zehlendorf zu treffen. Dieser berichtete von seiner Studentenzeit und seiner aktiven Beteiligung in einer oppositionellen Partei. Er schwelgte in Erinnerungen, sah manche Aktionen jedoch aus heutiger Sicht eher als kritisch an. Auch hier kam man über aktuelle politische Themen in Deutschland ins Gespräch. Der Kurs ging mit einem besseren und detaillierteren Einblick in die Zeit und in den Begriff Oppositon aus dem Tag. Ein gelungener STT!

Text: Stina Sachse

 

Warte ´mal eine Minute, ich bin gerade Kunst...

Ausstellungsbesuch  in der Berlinischen Galerie 

Richard sitzt in Meditationshaltung auf einem weißen Sockel, Theresa und Anna stecken zu zweit in einem Pullover, Julius und Pablo in einer kleinen Hundehütte, Jesse liegt auf 15 Tennisbällen und Marlene versucht, sich aus dem Stuhl zu winden...

Wir sind in der Berlinischen Galerie, in der Ausstellung des österreichischen Künstlers Erwin Wurm. In seinen „One Minute Sculptures“ lässt er uns Teil seiner Kunst werden. Für eine Minute lässt Wurm uns zum Teil seines Gesamtkunstwerks werden. Er fordert auf zum Nachdenken, zum Aus- und Innehalten. Nur wer sich darauf einlässt, kann die Kunst auch fühlen und verstehen. Denn Wurm spielt mit Materialien und Bildern. Das Gesamtkunstwerk wird durch die eigenen Gedanken, durch Interpretationen vollendet. Durch Beschäftigung mit kleinen, alltäglichen Dingen schafft der Künstler Raum, eine Pause. Für einige Minuten ein Innehalten in unserer hektischen Gesellschaft. Er lädt ein, die Dinge von einer anderen Seite zu betrachten. Nimmt als Kunst, was gerade da ist.

Von Klein auf arbeitet Wurm nach Verfügbarkeit des Materials. Seine ersten Skulpturen entstanden aus Holz. Er lebte über einem Holzladen. Später zog er in die Nähe einer Metallfabrik. So entstanden Kunstwerke aus Eimern und Kannen. In den späten 1990er Jahren begann er mit den „One Minute Sculptures“ – vorerst Zeichnungen, die er dann umsetzen ließ und fotografierte. Alltägliche Gegenstände und spontan ausgesuchte Darsteller, die mit Wurms Anweisungen eigene Fassungen von seinen Kunstwerken kreierten.

Einen ganzen Raum füllt ein Kunstwerk mit dem Namen „Von Kleidergröße 54 zu 58 in acht Tagen“. Es besteht aus vielen Blättern, auf welchen er die Mengen beschreibt, die ein Mann zu sich nehmen müsste, um derart zuzunehmen. Doch obwohl das Kunstwerk einen ganzen Raum einnimmt, ist es nicht vollendet. Das eigentliche Kunstwerk entsteht im Kopf des Betrachters. Es ist ein Spiel mit Material – oder ohne. Erwin Wurm macht aus kleinen Dingen Großes. Er legt den Fokus auf winzige Aspekte. Mit seiner Kunst übt er Kritik an unserer hektischen, auf Äußerlichkeiten fokussierten Gesellschaft. Weil er alltagsbezogen und zeitgetreu arbeitet, spricht seine Kunst jeden an.

Ein drittes großes Kunstwerk ist eine neun Meter hohe, 21 Meter lange Nachbildung seines Elternhaus. Es ist begehbar, voll möbliert und fast wie das Original. Der einzige Unterschied: Es wurde auf 1,20 m Breite reduziert. Für manchen Besucher vielleicht ein beklemmendes Gefühl.

Durch die Anschaulichkeit seiner Werke und den freien Raum zur Eigeninterpretation macht Erwin Wurm seine Kunst für jeden Menschen erreichbar und zu einem – sicher individuellen – Erlebnis.

Text: Anna Kadegis, Fotos: Jesse Altmann

Exkursion der Deutschkurse 11

Weimar: Die Stadt der Klassik-

Schaffensort von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Die Stadt, in der Walter Gropius das Staatliche Bauhaus gründete und eine neue kunstgeschichtliche Epoche einläutete. Friedrich Nietzsche verbrachte hier seine letzten Lebensjahre. 1791 wurde das Deutsche Nationaltheater Weimar gegründet, welches seitdem auch bespielt wird. Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek (siehe Bild oben) beherbergt die erste Gesamtausgabe der Lutherischen Bibelübersetzung von 1534.
Außerdem ist Weimar auch die Ruhestätte großer Persönlichkeiten wie zum Beispiel Goethe und -vermutlich- Schiller. Eine bedeutungsvolle Stadt für die deutsche Geschichte und Literatur.
Diese konnte sich der gesamte elfte Jahrgang vom 4. bis zum 5. März anschauen und sich erschließen.

Am Freitag hat jeder Kurs einen eigenen kleinen Stadtrundgang gemacht, der zuvor von Schüler*innen im Unterricht vorbereitet wurde. Dabei versorgten einzelne Schüler*innen die Gruppe mit Details zu einer Sehenswürdigkeit - auch schon mal von Goethe und Schiller „höchstpersönlich“ erzählt oder in einem kleinen Quiz erarbeitet. So ergab sich ein gemütlicher Stadtspaziergang durch die nicht allzu große Stadt... was nicht heißt, dass man sich nicht auch verlaufen kann. Die Pause für das Abendessen verbrachten wir mit einer notwendigen Stärkung, denn abends führte uns der Weg ins Deutsche Nationaltheater zu "Faust. Der Tragödie erster Teil". Eine Inszenierung von Hasko Weber über den Kampf zwischen dem Menschen und seinen Begrenztheiten sowie der damit verbundenen Einmischung des Teufels und letztendlich auch der Liebe. Mit diesem Theaterstück ging ein langer, kulturgefüllter Tag zu Ende. Auf dem Heimweg zur Jugendherberge ergab sich ein letzter kulturpolitischer Austausch zu Faust und Theater an sich. Den Samstag verbrachten wir mit Führungen durch die vielleicht bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Wir sind durch Schillers Wohnhaus geführt worden, in dem Schiller einige seiner bekanntesten Werke schrieb, zum Beispiel "Die Braut von Messina" und „Wilhelm Tell“. Außerdem besichtigten wir das Wittumspalais, in dem die Herzogin Anna Amalia, eine der wenigen weiblichen Herrscherinnen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (Mittelalter-1806), lange gelebt hatte. Der Name Wittumspalais ist auf das Wort "Witwe" zurückzuführen, da Anna Amalia schon mit 19 Jahren als Witwe alleine leben und auch regieren musste. Zu guter Letzt durften wir die Herzogin Anna Amalia Bibliothek besichtigen. Sie ist für ihre Vielzahl von Büchern, aber auch für den berühmten Rokokosaal bekannt. 2004 war in der Bibliothek ein Brand ausgebrochen, der viele Bücher des wertvollen Bestandes beschädigt und zerstört hatte. Seither sind die Restauratoren damit befasst, die Bücher zu restaurieren bzw. zerstörte Werke nachzukaufen. Der Anblick von so vielen wertvollen Büchern war dann ein angemessener Abschied von Weimar. Was bleibt: Erlebnisse, Erfahrungen ... und natürlich Fotos.

Text: Charlotte Salomon, Foto: Armin Below

Vom Erbfeind zum Freund

dhmDie Beziehung zwischen Frankreich und Deutschland hat in den letzten Jahren viele Höhen und Tiefen durchlebt. Deshalb gibt es viele Gründe, dieses Verhältnis im Französischunterricht in der 11. Klasse etwas genauer zu betrachten.

Am 27.04. 2016 machten sich zwei Grundkurse des 11. Jahrgangs auf den Weg nach Berlin ins Deutsch-Historische Museum, wo wir an einer thematischen Führung teilnahmen. Die Museumsführerin wählte einzelne Exponate aus dem Zeitraum 1871 bis nach dem zweiten Weltkrieg 1945 aus, um uns die wechselhafte Beziehung der beiden Länder zu veranschaulichen und deutlich zu machen, wie aus einer Feindschaft, die von Generation zu Generation weiter vererbt worden war, die deutsch-französische Freundschaft wurde, die wir heute kennen.