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Exkursionen

 

Lateintag an der Uni Potsdam

Der 15. Lateintag der Universität Potsdam  widmete sich im Oktober 2019 dem Thema Das Forum Romanum. Der Grundkurs Latein 11 war dabei und mischte sich unter die vielen Lateininteressierten im Hörsaal der Universität.

Nach der Begrüßung durch den Dekan der Universität zeigten drei verschiedene Vorträge die Vielfalt des diesjährigen Themas auf. Beginnend mit einem Einblick in die Archäologie bekamen wir viele interessante Baupläne des Forum Romanum zu sehen, anhand derer man die verschiedenen Gebäude erkennen konnte, die damals am Forum standen. Das wären zum Beispiel der Tempel des Divus Iulius (ein Kultort, welcher Caesar vergöttlichte und den östlichen Forumsplatz ausmachte), der Vulkan-Kultplatz, die Tribunen (Bühnen), die multifunktionalen Basiliken oder einfach nur eine freie Fläche, die den alten Römern als Marktplatz diente. Außerdem wurden uns einige Baupläne zu dem Königssitz am Forum Romanum, der sogenannten Regia, vorgelegt. Es handelte sich dabei um einen Bau der damals im 6. und 7. Jahrhundert v.Chr. als Empfangshaus des Königs genutzt worden war, bis dieser mit der Republik überflüssig geworden war.

Der zweite Vortrag widmete sich eher der geschichtlichen Entwicklung des Forum Romanum und trug den Titel: „Das Forum Romanum von den Päpsten zur Republik Italien". Der Referent erklärte, was rund um diese Fläche und mit ihr geschah, während die Zeit immer weiter fortschritt. Wie erst immer mehr Gebäude in Kirchen umgewandelt wurden und dann schließlich selbst diese irgendwann unter dem Erdboden verschwanden und dafür bis zum 19. Jahrhundert Platz als Kuhweide boten. Erst ab der Französischen Revolution wurde das Forum Romanum wieder zu einem internationalen Symbol der Italienischen Republik. Selbst Napoleon erkannte dessen Bedeutung, weshalb er 1808 Rom besetzte.

Im dritten Vortrag wurde es dann selbst für die Technik-Interessierten spannend, da uns in diesem letzten Teil der Vorlesung ein gemeinsames Projekt des archäologischen Winckelmann-Instituts in Berlin mit der Filmuniversität in Babelsberg vorgestellt wurde. „Virtual History“ soll eine genaue 3D-Nachbildung des Forum Romanum sein. Jedes einzelne Detail soll exakt rekonstruiert werden und schließlich ein Abbild dessen liefern, wie es damals direkt einen Tag nach der Ermordung Caesars im Jahr 44 v. Chr. auf dem Forum Romanum ausgesehen haben soll. Bei der Erklärung der Entstehung dieser Rekonstruktion wurde uns in vielen kleinen Schritten die genaue Vorgehensweise der sogar animierten Abbildung erklärt. Die Quellen für diese Arbeit sind lediglich alte Texte und historische Funde.

Nach diesem letzten sehr beeindruckenden Beitrag und einem Mittagessen in der Universitätskantine erwartete uns noch das Nachmittagsprogramm, bei welchem wir in Gruppen aufgeteilt an einer Unterrichtsstunde in der Universität zu speziellen Unterthemen teilnehmen konnten. Hierfür gab es ein großes Angebot an spannenden Schnupperseminaren wie: „Warum Caesars Leichnam auf dem Forum verbrannt wurde? Das Forum Romanum als Ort der römischen Emotionsgeschichte“, oder „Eklat auf dem Forum Romanum – Die Affäre um Caesar und den Staatsschatz im Tempel des Saturn“ und „How to become famous – das Forum Romanum als Raum politischer Debatten“.

Ich besuchte das Seminar „Kühe auf dem Forum Romanum“. Bei diesem Workshop ging es gezielt um einen Text aus dem 8. Buch der Aeneis, in welchem Aeneas endlich in Italien ankommt. Das Interessanteste dabei ist allerdings die zeitliche Überschneidung mit der Perspektive des Autors, welcher wörtlich „passimque armenta uidebant Romanoque foro et lautis mugire Carinis“ geschrieben hat, was so viel bedeutet wie: „Und überall verstreut sahen sie die Kühe, auf dem römischen Forum und dem Viertel der 'Feinen', stehen und muhen.“ Eine Schreibweise, welche an die Leser und Leserinnen gerichtet ist, obwohl die Geschichte im Präsens der Vergangenheit steht. Was für eine raffinierte Komplexität!

Nach Beendigung der Workshops tauschten wir uns über unsere Eindrücke aus. Damit endete der 15. Lateintag der Universität Potsdam, zumindest mir hat dieser einen sehr eindrucksvollen Tag verschafft.

Text: Julie Schröder (Jahrgangstufe 11)

Fotos: Dr. A. Vazaki (Kursleiterin)

Deutschkurse in Weimar

„Egal, was die Frage ist - Goethe ist die Antwort! - und wenn nicht, Schiller sollte auch passen.“ Diese Erkenntnis begleitete uns bis zum Ende unserer zweitägigen Exkursion in die Klassik- und Kulturhauptstadt Weimar. Die Deutschkurse besichtigten die Wohnhäuser Goethe und Schillers sowie die Anna Amalia Bibliothek und bekamen eine Führung durch das Goethe-Nationalmuseum. Zudem besuchten wir  die Theateraufführung  „Bombenstimmung“ im Deutschen Nationaltheater.

Der erste Programmpunkt war eine Führung durch das Wohnhaus Schillers. Diese bot uns einen Einblick in seine ganz privaten Schreib-, Schlaf-und Empfangszimmer. Dort schrieb er einige seiner bekanntesten Werke, zum Beispiel "Die Braut von Messina" und „Wilhelm Tell“. Nach einiger freier Zeit, die uns eine erste Orientierung in der Stadt ermöglichte, traf sich unser gesamter Jahrgang vor dem Deutschen Nationalmuseum, um die Aufführung: „Bombenstimmung“ anzusehen. In seiner neuen Komödie von Jan Neumann geht er der Frage nach, wie viel Terrorist in jedem von uns ist und wie im Zeitalter des Postfaktischen eine Lügenpresse überhaupt lügen kann.
Am zweiten Tag erwartete uns ein Programm rund um Goethe, mit Audioguides ausgestattet, fanden wir unseren Weg durch die vielen Räume seines Wohnhauses am Frauenplan. Auch konnten wir einen Einblick in seine ganz privaten Räume gewinnen wie sein Schreibzimmer, in dem er viele Stunden mit seinem Schreiber John verbrachte. Besonders beeindruckend war, dass hier alle Gegenstände im Raum dort zu sehen waren, wo sie zu Zeiten Goethes ihren Platz hatten.
Anschließend erwartete uns eine Führung durch das Goethe Nationalmuseum, in dem die Vielschichtigkeit von Goethes Wirken über das rein literarische Schaffen hinaus verdeutlicht wird. So erfuhren wir mehr über die vielen Facetten Goethes, so spricht man nicht nur vom dichtenden Goethe sondern auch vom reisenden, zeichnenden, lümmelnden und wissenschaftlichen Goethe. Seine Reisewege und Auslandsaufenthalte erschlossen wir uns anhand einer beeindruckenden Karte, die  stark verdeutlichte, wie viel mehr Goethe durch Europa reiste als Schiller, der Deutschland niemals verließ. Sein Leben lang nahm Goethe Zeichenunterricht, besonders stark setzte er sich hierbei mit der Farbenlehre auseinander. Aber auch sein Interesse für die Wissenschaft lebte er sehr stark aus, insgesamt sammelte er über 18.000 Mineralien. Der Dichter war extrem vielseitig begabt und ein ernst zu nehmender Wissenschaftler, der sich u.a. mit der Morphologie von Pflanzen beschäftigte. Er hat mehrere wissenschaftlich-botanische Abhandlungen geschrieben. Zudem entdeckte er ein ungewöhnliches Malvengewächs auf seiner Brasilienreise, welches anschließend nach ihm benannt wurde, Goethea cauliflora.  Zudem wurden im Museum auch private Gegenstände Goethes ausgestellt wie seine Hosenträger oder sein Reisemantel.

Der Besuch der Herzogin Anna Amalia Bibliothek bildete den goldenen Abschluss unserer Exkursion. Herzogin Anna Amalia hatte sich mit allen Mitteln dafür eingesetzt, Weimar zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln. Eine Million Bände standen in den Regalen der Bibliothek mit ihrem weltberühmten Rokokosaal, darunter mit 13.000  Bänden die größte Faust-Sammlung der Welt.  2004  war im Dach der Bibliothek ein Brand ausgebrochen, der verheerende Folgen hatte, ein Teil des wertvollen Bestandes war stark beschädigt oder zerstört. Bereits einen Monat nach dem Brand, zeichnete sich ab, dass die geborgenen Bücher zwar schwer beschädigt waren, aber nach wie vor individuelle Merkmale besaßen, die sie unersetzbar machten: Informationen zu ihrer Herkunft und zu Material, Technik und Produktion der Einbände. Die Restauration der wertvollen Bücher ist bis heute noch nicht abgeschlossen.

Text: Frieda Fischer