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Niederlande 2015

Utrecht: „Het Amadeus-
een moderne, kunstzinnige school“

UtrechtbildWenn man das Schulgebäude der niederländischen Partnerschule nur von Ferne sieht, wird einem schon klar, dass diese doch etwas anders ist als Hermannswerder. Das dreistöckige Gebäude erscheint sehr groß und modern. Der erste Eindruck trügt auch nicht. Auf die Partnerschule gehen ungefähr doppelt so viele Schüler, also circa 1400 bis 1500.

Das Erste, was mir auffällt, ist der riesige Fahrradkeller. Mit dem Fahrrad kann man direkt in diesen Keller fahren. Und die Niederländer werden dem größten Klischee gerecht: Nur Hollandräder!

Durch eine Glastür kommt man aus dem Fahrradkeller direkt in die Mensa der Schule. Alles ist sehr hell und überwiegend aus Holz. Alle Schüler versammeln sich nach dem 45- minütigen Unterricht hier zum Essen und Reden. Das Essen ist gut und auch nicht zu teuer.

Die Mensa bildet die Mitte der Schule: Zur einen Seite befindet sich das schuleigene Theater. Wir haben uns dort eine Aufführung angesehen, die aus mehreren Sketchen und den Auftritten der Schulbands bestand. Sehr beeindruckend! In der Nähe des Theaters befinden sich die Musikräume, die mehr einem Studio ähneln: hoch modern mit allen möglichen Instrumenten,

Auf der anderen Seite der Mensa sind die Klassenräume, sie sind riesig! Immer drei Klassen teilen sich einen Raum, haben aber alle parallel Unterricht. Ein Teil ist noch mit Glaswänden getrennt, aber zwei Klassen können sich bei ihrem jeweiligen Unterricht zuhören! Darüber hinaus bilden alle Tische Viererinseln. Es gibt Whiteboards, aber keine Schulklingel, die Lehrer heben die Hand, um auf sich aufmerksam zu machen,was nicht immer funktioniert. Wir alle haben zwei Stunden miterlebt, meine waren Mathe und Bio. Auf mich wirkte es so, als ob nur wenige Schüler dem Lehrer zuhörten und alle anderen sich unterhalten.

Einer der größten Unterschiede: Alle Schüler arbeiten mit dem Computer, sie nutzen ihn für die Schule, jedenfalls größtenteils, aber ich frage mich, wie viel das ihnen nutzt. In der Mathestunde war es doch eher ein Fluch als ein Segen für den Lehrer. Das spiegelt sich dann auch in den Noten, die werden nach einem Punktesystem vergeben: 1 ist das schlechteste und 10 das beste Ergebnis. Damit kamen wir öfter durcheinander, 45 Minuten später saß ich im Bio- Unterricht in einer Klasse, die der 10. an unserer Schule entspricht.

Die Schule hat auf mich sehr individuell gewirkt. Es war ein sehr offenes Klima, modern, schön und wie gesagt groß. Ob ich dort etwas lernen würde, weiß ich nicht genau. Vermutlich mehr, als ich erwarte, aber doch weniger als bei uns. Ich bin sehr gespannt auf die Meinung der Austauschschüler zu unserer Schule, wenn sie uns im März besuchen!

Den Besuch in Utrecht haben alle von uns genossen. Die Stadt ist sehr weitläufig, und bevor man die wunderschöne Innenstadt erreicht, muss man durch Rand- und Industriegebiete fahren. Doch das lohnt sich! Das Zentrum der Stadt ist von Grachten durchzogen (das sind Kanäle, durch die Schiffe fahren). An jeder Seite der Gracht finden sich verschiedene Läden: Vom Andenken- bis Designerladen ist alles dabei! Dazwischen findet man zahlreiche, gute Cafés und ein Kino. Das Klima in der Stadt war sehr aufgeschlossen und fröhlich. Ähnlich war es auch in Amsterdam. Unglücklicherweise regnete es dort. Es sah ähnlich aus, aber alles war viel größer. Ich persönlich fand Utrecht schöner, aber Amsterdam internationaler. Alle dort sprechen sehr gut Englisch, und die Geschäfte sind wirklich toll. Leider waren zwei Stunden zu wenig, um diese Stadt gut kennenzulernen. In Amsterdam haben wir nicht nur die Einkaufsstraße besucht, sondern uns vorwiegend mit Geschichte beschäftigt. Einen Tag nach unserer Ankunft in Utrecht haben wir das Anne-Frank-Theater besucht. Das klang erst einmal nicht sehr verlockend, drei Stunden im Theater zu sitzen und eine Aufführung auf Niederländisch zu sehen. Doch es war richtig gut! Das Theater war modern und so hatten wir alle ein iPad mit deutschen Untertiteln vor uns. Das Theaterstück hat die Geschichte von Anne Frank sehr detailliert und lebensnah erzählt. Auch das Bühnenbild in Form eines Hausquerschnittes war sehr beeindruckend! Bei einem weiteren Besuch in Amsterdam haben wir dann das Haus besucht, in dem sich Anne Frank und ihre Familie versteckt hatten. Das kann man nur jedem raten, der nach Amsterdam fahren und sich mit Geschichte auseinandersetzen will: Wirklich durch das winzige Haus zu gehen und sich vorzustellen, wie schwer es war, dort Jahre lang zu leben, ohne den Ort verlassen zu können, war faszinierend. Ich denke, ich habe so mehr gelernt als im Geschichtsunterricht, zumindest über die Lebensumstände. Ein bisschen lästig ist nur, dass das Haus heute ein Museum und immer gerammelt voll ist! Die Austauschschüler haben das ganz ähnlich wie wir empfunden. Sie waren unglaublich aufgeschlossen und uns wirklich ähnlich. Ich war mit meiner Schülerin sehr zufrieden wie fast alle anderen, es gab bei keinem größere Komplikationen. Die Austauschschüler haben sich sehr gut um uns gekümmert und sich stets bemüht, uns viel zu zeigen und mit uns zu reden. Die Gespräche fanden eigentlich nur auf Englisch statt, aber auch teilweise auf Deutsch, das vor allem die Eltern beherrschten, und bald konnten wir dann auch ein bisschen Niederländisch. Alles in Allem: Utrecht und das Amadeus Lyceum sind wirklich perfekt für einen Austausch!

Text: Emma Sandner 10A, Foto: Henriette Kübler 10A