„Wenn Du Dich nicht entscheiden möchtest, verlasse ich Dich…“
Das hört sich nach politischen Konflikten oder einer Beziehung an - dabei ist es doch beides und doch so wesentlich, denn einen Konflikt mit Werten der Überzeugung und der Achtung der Rechte des Anderen auszutragen, ist eine regelrechte Kunst. Wichtig dabei ist jedoch zunächst, wer diese Ankündigung unterschrieben hat:
„…Deine Demokratie!“
Die nachhaltige demokratische Bildung
Zwar hat das Sich-Enthalten, Keine-Meinung-Haben, Sich-aus-allem-Raushalten immer wieder Konjunktur – unsere Gesellschaft und unsere politische Kultur bringt dies aber fundamental in Gefahr. Dem entgegenzuwirken ist deshalb ein wichtiger Schwerpunkt unseres Unterrichts. Mit einem aktuellen Blick wirken wir auch einer anderen Gefahr entgegen - das Entscheiden in radikale Tendenzen aufgrund populistischer Meinungsbildung ohne fundamentale Basis. Hierbei ist es zwar kein leichtes, den Populismus aufzudecken, jedoch eine Art Untersuchung und Auf-die-Schliche-kommen mithilfe fachlicher Inhalte, um zu erkennen, dass langfristige und nachhaltige Entscheidungen komplexer sind.
In der achten Klasse nähern wir uns dem Thema "Grundrechte" durch das eigene Fühlen von Rechten und was den Schülerinnen und Schülern wichtig ist im Umgang miteinander. Dabei schnuppern sie bereits erstmals die Luft der Demokratie - anfänglich mit dem Schwerpunkt "Grundrechte" und Rechtsstaatlichkeit. In der neunten Klasse tauchen wir dann gemeinsam in die Demokratie Deutschlands ein. Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei die Verfassungsorgane und die Gesetzgebung kennen, wobei brisante Themen wie Lobbyismus, Partizipation der Bürger und Meinungsbildung immer wieder integriert sind. Unsere zehnten Klassen weiten auf dieser Grundlage dann ihren Blick. Sie schauen, welche wirtschaftlichen Anforderungen erfüllt sein müssen für eine funktionierende Demokratie. In den verschiedenen Facetten erleben sie selbst, dass zum Beispiel Inflation wichtig ist und doch beim Shoppengehen auch weh tun kann. Auch der Blick auf die europäische Ebene lässt sie die Komplexität verschiedener Systeme erkennen.
In diesen Jahren haben wir unterschiedliche Highlights, die die Schülerinnen und Schüler teils selbst initiieren und durchfühlen wie die Juniorwahlen von Bundestags- oder EU-Parlamentswahlen oder Besuche von Gerichten, des Deutschen Bundestags und des Bundesrates. Insbesondere bei den Juniorwahlen erleben wir die Demokratie hautnah und reißen alle Jahrgänge unserer Schule in den Bann der direkten Teilhabe und Mitbestimmung.
Unsere Grund- und Leistungskurse in der Oberstufe werden zunehmen angefragt, was - Rückmeldungen nach zu urteilen - daran liege, dass man sich immer weniger aus der Welt politischer Konflikte herausziehen könne und internationale Zusammenhänge und Themen in Deutschland verstehen müsse, da es einen selbst zunehmend betreffe (Zitat des aktuellen 12. Jahrgangs). Ihre Themen spiegeln die Sekundarstufe I wider, wobei wir hier mehr Zeit haben, um zu diskutieren, verschiedenste Perspektiven umfangreicher zu beleuchten und auch die aktuellen Nachrichten zu besprechen. Im Vordergrund steht die Untersuchung aktueller politischer Probleme: Information, Analyse und Diskussion heißt hier der Dreischritt. Dabei ist es uns nicht nur wichtig, das sinnvolle methodische Vorgehen zu schulen, sondern auch Argumentieren und Positionbeziehen einzuüben. Exkursionen zu politischen Institutionen und die Durchführung von Planspielen mit Hilfe externer Anbieter sollen nach Möglichkeit der Horizonterweiterung dienen, wie z.B. die Simulation des EU-Parlaments.