Theaterstück Jahrgang 11 Darstellendes Spiel „Was ihr wollt“ 11./12./13.06.2026
Welch ein unterhaltsamer Abend mit William Shakespeares „Was ihr wollt“, kaum zu glauben, was das Evangelische Gymnasium Hermannswerder mit seinen Gästen da vom DS Kurs 11 unter der Leitung von Marcus Löwer zu sehen bekam!
Angefangen hatte der Abend wortwörtlich mit einer Figurenaufstellung an einem Ort, der ein wenig an das berühmte Londoner Globe Theatre denken ließ: Fachwerk und eine Vorbühne, um die herum das Publikum dicht am Geschehen sein konnte. Verzaubernd wirkte dabei immer wieder das Licht, das die Balkenarchitektur in wunderschöne Farben tauchte und viel zur gelungenen Atmosphäre beitrug.
Schauspielerisch gab es für die zahlreichen Mitwirkenden von Anfang an viel zu tun. Das Ensemble agierte in dieser Aufführung durchweg mitreißend und überzeugend, besonders auch in den zu Recht bejubelten Tanz- und Gesangsszenen. Sogar gefochten wurde … oder welche Art von Kampf man mit Schwertern in der Hand auch bestehen sollte.
In der sowohl turbulenten als auch feinsinnigen Inszenierung kam die Sprache Shakespeares zu ihrem vollen Recht, auch wenn das Stück in deutscher Übersetzung gespielt wurde. Alle Schauspieler*innen beeindruckten an dem langen Abend mit bemerkenswerter Textsicherheit und vermittelten etwas von der Sprachgewandtheit Shakespeares, die mit ihren Wortspielen, Reimen und Wortschöpfungen nichts als Freude machte.
Handelt das Stück auch von den durch einen Schiffbruch getrennten Zwillingen Viola und Sebastian und von der unglücklichen Liebe des Herzogs Orsino (von Henny Hoffmann stolz und herrschaftlich deutlich in der Artikulation gespielt), so entwickelt sich aus der im Grunde traurigen Konstellation eine bunte Verwechslungs- und Verwirrungskomödie.
Radikal über den Haufen geworfen wurden dabei die Geschlechterrollen, denn da Viola sich sowieso schon als Cesario ausgab (imponierend in ihrer sensiblen Zerrissenheit Julika Gette), lag es nicht fern, auch ansonsten Männer- und Frauenrollen aufzulösen und ausschließlich Gefühle sprechen zu lassen. Sehr überzeugend komödiantisch, zuweilen grotesk agierten da Gustaf Tietz in der Rolle der Olivia und Paulina Kraus sowie Linda Gottbehüt als Sir Toby und Roby.
Was bei dieser Stückfassung als Coup angesehen werden kann, ist die beinahe schon in der Vorlage angelegte Doppelung von Charakteren: Der Narr bekam einen Zwilling an die Seite (großartig Peter Hünerson und Simon Lerch), Sir Toby ein Alter Ego und auch die Kammerfrau Maria erhielt eine schrille Schwester im Geiste (sensationell überdreht Auguste Krzysch und Maria Trieselmann). Alle Paare lieferten sich wunderbar bissige Wortgefechte, nahmen ihre jeweiligen Opfer gehörig in die Zange und trieben so ihren Unfug auf die Spitze.
Ohne Zweifel gelang es auch Philipp Baumann, seine Rolle passgenau auszufüllen und den sich zum Narren machenden Malvolio mutig
und köstlich zu spielen. Ihm und auch Noah Heim (als Sir Andrew Bleichenwang ulkig und treffend einfältig agierend) gebührt große Anerkennung. Wie bedauernswert, dass ihre Figuren die Liebe am Ende nicht finden würden.
Lob gehört selbstverständlich dem gesamten Ensemble bis in die Nebenrollen hinein, weil die Aufführung nur so ihren überaus spritzigen, aber auch poetischen Charme in allen Szenen voll entfalten konnte. Hier war zu spüren, dass es eine*r allein eben nicht reißen kann, sondern dass dieser DS-Kurs auf dem Weg zur Bühne gemeinsam eine überbordende Spielfreude entwickelte.
Leider herausragend gut … und deshalb unbedingt noch vor dem Schluss müssen die wundervollen Kostüme erwähnt werden. Denn solch ein Feuerwerk an farbenprächtigen Ideen – mit Glitzer, Reifrock, Samt und Chiffon über Narren, Zofen, Hofstaat und Seeleute ausgeschüttet – hat das Publikum mit großer Freude gesehen, eine wahre Augenweide.
Tausend Dank für alle Mühe und für einen besonderen Theaterabend … „Ich liebe das Leben!“
Sabine Commichau