Ein Abend, der bleibt – „Cluedo – Die Mörder sind unter uns“ von Sandy Rustin am Evangelischen Gymnasium Hermannswerder

Es gibt Abende, die sich dem schnellen Zugriff entziehen. Sie vergehen nicht – sie setzen sich fest. Die jüngsten Aufführungen des DS-Kurses 12-2 am Evangelischen Gymnasium Hermannswerder war ein solcher Moment.

Mit „Cluedo – Die Mörder sind unter uns“ von Sandy Rustin hat sich der Kurs, unter der Leitung von Marcus Löwer, einem Stoff gewidmet, der weit mehr ist als ein unterhaltsames Kriminalspiel. Hinter der scheinbaren Leichtigkeit verbirgt sich ein präzise gebautes Gefüge aus Rhythmus, Raum und Ensemble – ein theatrales Uhrwerk, das nur dann funktioniert, wenn alle Elemente ineinandergreifen. Genau hier setzte die Inszenierung an.

Ausgehend von der Vorlage entwickelte der Kurs ein immersives Theatererlebnis, das das Publikum unmittelbar in die Welt der „Villa Schwarz“ hineinzog. Das Bühnenbild – inspiriert vom ikonischen Brettspiel – wurde dabei nicht nur zur Kulisse, sondern zum aktiven Mitspieler: Räume öffneten sich, verschoben sich, traten hervor und verschwanden wieder, ganz im Sinne der Stückanlage, die schnelle Übergänge und überraschende Wendungen verlangt . Gemeinsam mit fantasievollen, präzise gearbeiteten Kostümen und Requisiten im Brettspiel-Design, entstand eine dichte Atmosphäre, die den Abend visuell wie spielerisch trug.

Im Zentrum stand jedoch das Ensemble. Mit großer Spielfreude, bemerkenswerter Disziplin und einem feinen Gespür für Timing gelang es den Schüler:innen, die Balance zwischen Spannung und Komik auszuloten. Die Figuren wurden klar konturiert und zugleich als Teil eines gemeinsamen Spiels erfahrbar. Gerade in der Ernsthaftigkeit des Spiels – wie sie auch der Vorlage eingeschrieben ist – lag die besondere Qualität dieses Abends: Komik entstand aus Präzision, Dynamik aus dem Zusammenspiel.

So wurde dieser Theaterabend mehr als eine gelungene Aufführung. Er markiert eine Wegmarke. Der Fachbereich Darstellendes Spiel am Evangelischen Gymnasium Hermannswerder zeigt hier eindrucksvoll, welches künstlerische Potential in diesem Schulfach liegt – und welchen Raum es in Zukunft selbstbewusst einnehmen kann.

Dass das Evangelische Gymnasium Hermannswerder mit seinem musischen Profil eine besondere Stellung in Potsdam innehat, wird an diesem Abend erneut sichtbar. Das Fach Darstellendes Spiel tritt dabei zunehmend als eigenständige künstlerische Stimme hervor – prägend, verbindend und voller Perspektive.

Und vielleicht ist es genau das, was bleibt: der Eindruck eines Abends, der nicht nur gelungen war, sondern etwas in Bewegung gesetzt hat.